Erzabt em. Dr. Korbinian Birnbacher OSB: 100 Jahre Kolleg St. Benedikt in Salzburg
Das Salzburger Kolleg Sankt Benedikt dient seit 100 Jahren als Wohn- und Lebensort für Studierende an der Theologischen Fakultät bzw. seit 1962 an der Paris Lodron Universität Salzburg. Dabei ist das Kolleg weit mehr als ein Wohnheim, sondern vielmehr ein lebendiger Ort gemeinsamen Lernens und Arbeitens, des intensiven Austauschs und des Gebets im Herzen der Salzburger Altstadt. In der 2026 erschienenen Festschrift präsentieren sieben Autoren Aspekte der Entstehungsgeschichte, der Gründung, des Baues, des Zwecks und der Aufgabe des Kollegs.
Dr.phil. Peter Erhart, MAS: Ausflug nach Montecassino – Transalpiner Kulturtransfer in der Frühen Neuzeit
Ein Heiliges Jahr bedeutete in der Barockzeit ein ungleich aufwändigeres Schauspiel. Noch vor der Öffnung der Heiligen Pforte läuteten an vier Tagen während vieler Stunden in allen Kirchen der Stadt die Glocken. Der Akt des Öffnens selbst wurde von einem Feuerwerk, von Kanonenschüssen auf der Engelsburg und von Salutschüssen der Schweizergarde begleitet. Mitten drinnen zwei St. Galler Benediktiner, einer davon aus Salzburg stammend, die das bis 2025 wohl längste Jubeljahr erlebten. Es umfasste nebst den regulären Feierlichkeiten den Tod von Papst Innozenz XII. und die Wahl von Clemens XI. Die Zeit des Konklaves nutzten die beiden Mönche für einen Ausflug nach Subiaco, Montecassino und Neapel, um ihre Grand Tour durch das barocke Italien abzurunden.
H-Prof.in Dr.inElfriede Windischbauer: NeuGIERIGE Blicke. Salzburg und die Zurschaustellung außereuropäischer Menschen im 19. und 20. Jahrhundert
So genannte „Völkerschauen“ fanden im 19. und im frühen 20. Jahrhundert nicht nur in den europäischen Metropolen statt. Auch in Provinzstädten wie Salzburg wurden außereuropäische Menschen zur Schau gestellt – auf der Dult, bei Volksfesten, in Restaurants und Zirkussen. Die Menschen kamen vor allem aus Afrika, aber auch aus Asien, Australien und Amerika. Als Quellen stehen u.a. Berichte in Salzburger Zeitungen und Plakate, die für die Veranstaltungen warben, zur Verfügung.
Anhand von über 40 Menschenausstellungen, die in Salzburg zwischen 1813 und 1853 stattgefunden haben, werden die Lebensumstände der zur Schau gestellten Menschen, die Rolle der Schausteller, die Veranstaltungsorte und Motive des Publikums beleuchtet.
Walter Brandstätter, MEd: Hohensalzburg (digital) – Neue Perspektiven auf Salzburgs prägendstes Wahrzeichen
Der Vortrag präsentiert aktuelle Forschungsergebnisse zur Geschichte der Festung Hohensalzburg und verbindet die neuesten Erkenntnisse der laufenden Dissertation mit den Resultaten des Digital-Humanities-Projekts Hohensalzburg Digital (2022-2025). Im Mittelpunkt stehen neue Perspektiven auf die soziale, wirtschaftliche und räumliche Entwicklung Hohensalzburgs sowie die Potenziale digitaler Methoden für deren Erforschung. Anhand ausgewählter Fallbeispiele wird aufgezeigt, wie die Verknüpfung historischer Quellen mit digitalen Technologien neue Fragestellungen eröffnet und bestehende Forschungsansätze erweitert. Abschließend werden Möglichkeiten der öffentlichen Präsentation und Vermittlung der Forschungsergebnisse skizziert.
Dr. Michael Holzmann: Der südtiroler Nationalsozialist Otto Begus in Salzburg. Ein Eremit in den Extremen
Otto Begus (1899-1980) verkörpert eine geradezu idealtypische NS-Täterbiographie, die in dem Vortrag zusammen mit den Mechanismen persönlicher Radikalisierung und fehlender eigener Verantwortung aufgezeigt werden.
Begus (vorne) als Militärbeobachter in Abessinien, ca. Herbst 1935, Besitz: M. Holzmann
Mit 16 Jahren Freiwilliger im Alpenkrieg, italienische Kriegsgefangenschaft, Jura-Studium (Promotion 1924), 1921 Freikorps-Einsatz in Oberschlesien, 1929 Polizeijurist in Österreich, NSDAP- und SS-Mitglied mit großem Netzwerk, Teilnahme am „Juliputsch“ 1934, Militärbeobachter in Äthiopien, 1937 Gestapobeamter, 1938/9 in Salzburg, dort wohnhaft in einer „arisierten“ Wohnung bis 1945, Kriegseinsatz in Frankreich, Griechenland und Italien (Geheime Feldpolizei und SD), mutmaßlicher Kriegsverbrecher, 1945 verhaftet, 1948 in Wien wegen NS-Betätigung zu 3 1/2 Jahren „schwerem Kerker“ verurteilt, Freisetzung durch UdSSR-Geheimdienste, Mehrfachagent in Innsbruck und Salzburg in den frühen 1950er Jahren.
Begus konnte auf ein Netzwerk früherer österreichischer Nationalisten und NS-Täter und Kontakte aus der Kriegszeit bauen. Er blieb bis zu seinem Tod überzeugter Nationalsozialist und hielt Kontakte zu ehemaligen NS-Größen, für seine Verbrechen wurde er nicht mehr strafrechtlich belangt, ein persönliches Schuldbekenntnis ist nicht überliefert.