9. Dezember 2026, 18.00 Uhr

Medienraum St. Peter (Eingang über die Pforte)

Dr. Michael Holzmann: Der südtiroler Nationalsozialist Otto Begus in Salzburg. Ein Eremit in den Extremen

Otto Begus (1899-1980) verkörpert eine geradezu idealtypische NS-Täterbiographie, die in dem Vortrag zusammen mit den Mechanismen persönlicher Radikalisierung und fehlender eigener Verantwortung aufgezeigt werden.

Begus (vorne) als Militärbeobachter in Abessinien, ca. Herbst 1935, Besitz: M. Holzmann

Mit 16 Jahren Freiwilliger im Alpenkrieg, italienische Kriegsgefangenschaft, Jura-Studium (Promotion 1924), 1921 Freikorps-Einsatz in Oberschlesien, 1929 Polizeijurist in Österreich, NSDAP- und SS-Mitglied mit großem Netzwerk, Teilnahme am „Juliputsch“ 1934, Militärbeobachter in Äthiopien, 1937 Gestapobeamter, 1938/9 in Salzburg, dort wohnhaft in einer „arisierten“ Wohnung bis 1945, Kriegseinsatz in Frankreich, Griechenland und Italien (Geheime Feldpolizei und SD), mutmaßlicher Kriegsverbrecher, 1945 verhaftet, 1948 in Wien wegen NS-Betätigung zu 3 1/2 Jahren „schwerem Kerker“ verurteilt, Freisetzung durch UdSSR-Geheimdienste, Mehrfachagent in Innsbruck und Salzburg in den frühen 1950er Jahren.

Begus konnte auf ein Netzwerk früherer österreichischer Nationalisten und NS-Täter und Kontakte aus der Kriegszeit bauen. Er blieb bis zu seinem Tod überzeugter Nationalsozialist und hielt Kontakte zu ehemaligen NS-Größen, für seine Verbrechen wurde er nicht mehr strafrechtlich belangt, ein persönliches Schuldbekenntnis ist nicht überliefert.