Das Festspielhaus vor exakt 100 Jahren am 7. August 1926: Eröffnung von Stadtsaal und Foyer

Ein Beitrag von Michael Neureiter

Jakob Adlharts Vier-Masken-Block

Es begann vor 100 Jahren: Clemens Holzmeister gestaltete ab März 1926 den Umbau des Salzburger Festspielhauses. Der im April dieses Jahres im benachbarten Kolleg St. Benedikt angebrachte Kollegchristus war, so sein Schöpfer Jakob Adlhart, „längst den davon Ergriffenen eine Stätte der Andacht, den anderen eine Stätte des Schreckens geworden“.

Da begegnete Adlhart 1926 dem Architekten, der ihn einlud, für das Hauptportal des Festspielhauses einen Maskenblock aus Marmor zu hauen, „antikische Masken“ sollten es werden. Adlhart verwendete als Material Laaser Marmor aus Südtirol und schreibt in seiner Autobiographie: „Im Jahr darauf saß der über fünf Tonnen schwere Block in der Lünette“ über dem Eingang des Festspielhauses. Gut möglich, dass dies schon früher der Fall war?

Bild Adlharts Vier-Masken-Block Der Vier-Masken-Block, heute vor dem Eingang zum Haus für Mozart 2026 (© Michael Neureiter)

Das Faistauer-Foyer

Ebenfalls im Frühjahr 1926 wurde der größte Auftrag seines Lebens an Anton Faistauer herangetragen, die Gestaltung des Foyers des Festspielhauses. Holzmeister sah in ihm den „Retter in der Not“: Der damals noch viel angefeindete Maler „verwob alles zu einem einheitlichen Werk in Farbe und Maßstab“, wie Holzmeister berichtete. Ende Mai kontaktierte ihn Holzmeister. Es gab 14 Tage Zeit für Entwürfe, der Architekt und Landeshauptmann Franz Rehrl billigten die Skizzen.

Ab Peter und Paul (am 29. Juni) stand das Gerüst, und in nur sechsundzwanzig Arbeitstagen schuf Faistauer mit seinem Team auf etwa 300 Quadratmetern Fläche in Freskotechnik das von ihm konzipierte Werk mit 210 Gestalten. „Das war anstrengend, hatte jedoch den Vorzug der größeren Unmittelbarkeit und den Reiz des ersten Einfalles… Als alles zu Ende war, kam erst die niegeahnte Müdigkeit.“ schrieb Faistauer. Er wurde damit mit einem Schlage ein berühmter Mann.

Bild Faistauers Fresken 1926 Die linke Wand im Faistauer-Foyer in einer Aufnahme aus 1926. Links oberhalb der Bildhauer-Gruppe hat sich Anton Faistauer selbst dargestellt. (© Salzburger Festspiele, Archiv)

Die Werkleute auf Faistauers Werk

Die vom Haupteingang gesehen linke Wand des Foyers zeigt die 1926 geschaffenen, 1927 überarbeiteten, 1939 abgenommenen und 1956 wieder angebrachten Wandmalereien mit dem Bauherrn Landeshauptmann Franz Rehrl und Architekt Clemens Holzmeister, links von ihnen die Werkleute mit Anton Faistauer (Selbstbildnis ganz links oben), darunter Jakob Adlhart und Kollegen, rechts von ihnen ein Festmahl (Jedermann) mit Zuschauern und Musikanten.

In der Gruppe der Handwerker arbeitet nach Meinung von Experten Jakob Adlhart mit seinem Gehilfen Franz Budig (?) an einem Felsblock, wohl am Vier-Masken-Block. Rechts von ihnen sind vermutlich Karl Bodingbauer (?) und Hans Pontiller (?) an einer anderen Skulptur tätig.

Bild Faistauers Fresken 1971 Die linke Wand des Faistauer-Foyers in einer Aufnahme aus 1971. Teile der Flächen sind nur in hell/dunkel ausgeführt, wohl wegen Verlusten nach deren Abnahme 1939? (© Wikimedia commons, 1971markus)

Die Eröffnung von Stadtsaal und Faistauer-Foyer am 7. August 1926

Am 7. August erfolgte die feierliche Eröffnung des Stadtsaals und des von Faistauer gestalteten Foyers. Landeshauptmann Rehrl berichtete dabei von insgesamt 85 Arbeitstagen des Umbaus des Festspielhauses. Er erwähnte Meister Faistauer, der mit seinem Team „eines seiner größten Werke für unsere Heimat, für unsere Stadt“ geschaffen habe, und Meister Adlhart, dessen „wuchtiger Portalschmuck… mit der gleichen Monumentalität“ jeden Beschauer erfasse.

Nach dieser Strapaz und einer Erholung in seiner Heimat Maishofen malte Anton Faistauer noch die Wandfresken im benachbarten Hof des Kollegs St. Benedikt, den Gnadenstuhl und die Sonnenuhr mit dem Gnadenbild von Maria Plain, die Fertigstellung erfolgte am 8. November 1926. Bei deren Vorbereitung hatten Adlhart und Faistauer einander näher kennengelernt.

Bild 1926 Adlhart Festspielhaus Der Vier-Masken-Block beim Aufzug in das Portal des Festspielhauses 1926 (© Salzburger Festspiele, Archiv)

Schicksale von Kunstwerken: Entfernen, Verstecken, Vernichten

Die Werke von Anton Faistauer und Jakob Adlhart wurden nach dem „Anschluss“ 1938 von den neuen Machthabern entfernt, versteckt, vernichtet: Der Kollegchristus Adlharts 1926 wurde 1939, weil nach aktueller Kunstauffassung „verdammt jüdisch anmutend“, in der Kreuzkapelle von St. Peter vor der Öffentlichkeit versteckt und kehrte erst nach dem 2. Weltkrieg wieder in das Kolleg zurück. Adlharts „Genien“ im Toscaninihof wurden knapp nach ihrer Fertigstellung 1938 vom neuen Regime zerstört und konnten 40 Jahre später 1978 auf Initiative des Landes Salzburg und der Salzburger Festspiele vom inzwischen 80jährigen Künstler wiederhergestellt werden. Und die Fresken des Faistauer-Foyers wurden 1939 entfernt und erst 1956 wieder am ursprünglichen Platz angebracht.

Zum Autor

Michael Neureiter hat Jakob Adlhart in seiner Halleiner Werkstatt erlebt und hält es für wichtig, diese bemerkenswerten Vorgänge des Entfernens, Versteckens und Vernichtens nicht in Vergessenheit geraten zu lassen: „Die Untaten gerade auch in der Zeitgeschichte dürfen wir nicht untätig hinnehmen! Sie gehören bloßgestellt und in Zukunft verhindert!“

Michael Neureiter

Theologe. Historiker. Turmuhrmacher

https://www.horologium.at